Predigt Ostern 2021  T-Ostern bringt alles durcheinander

Liebe Geschwister,
wir erleben im Moment ein riesiges Durcheinander! Coronachaos.
Verordnungen gehen hin und her. Lockerung und wieder Lockdown. Notbremse und dann doch nicht so ganz. Geschäfte auf und wieder zu. Astra ist sicher und dann wieder doch nicht. Keiner weiß mehr: Welche Regeln gelten denn gerade und welche nicht mehr. Alles ist durcheinander.

Am ersten Osterfest gab es auch ein riesen Durcheinander! Und keiner wusste mehr: Was gilt denn jetzt?

Früh am Morgen gingen einige Frauen an das Grab von Jesus. Da wussten sie noch genau, was gilt und was sie zu erwarten haben: Einen Toten, dem man eine letzte Ehre erweist, den man einbalsamiert und von dem man sich so verabschiedet. Das hatte alles seine Ordnung.
Aber dann geht das Durcheinander los.

Der Stein ist weggerollt.
Das Höhlengrab ist offen.
Sie gehen hinein, aber da ist kein Leichnam mehr.
Statt dessen tauchen da fremde Männer auf in einem seltsamen Outfit.
An diesem Morgen bricht bei den Frauen nicht die helle Freude aus, sondern es ist erst mal ein großes Durcheinander in ihrem Kopf!

Völlig verwirrt berichten sie den Aposteln, was sie erlebt haben, und die sind dann auch ganz konfus. Denken: Das kann nicht wahr sein. Was schwätzen sich die Frauen denn das zusammen?

Petrus will Klarheit, will sich selber überzeugen und geht zum Grab. Aber was er sieht, das macht nichts klar: Das Grab ist leer. Jesus nicht mehr da, nur noch die Binden, mit denen man seinen Leichnam eingewickelt hatte.

Er geht zurück: Völlig durcheinander und verwirrt. Osterchaos statt Osterfreude.

Die Auferstehung von Jesus hat die feste Weltordnung durcheinandergeschüttelt.
Und diese Weltordnung besagt: tot ist tot!  Unser Tod ist das einzige im Leben, was wirklich sicher ist. Auf den Tod kannst du dich felsenfest verlassen!

Und dann passiert am Ostermorgen etwas, das diese feste Ordnung aufbricht, sie durcheinander bringt.

Das stiftet Chaos und Verwirrung.

Stellt euch vor, Jesus wäre ein deutscher Staatsbürger gewesen. Seine Auferstehung hätte unsere ganze Bürokratie durcheinander gebracht.
Da gibt es ja ganz klare Vorschriften für den Tod.
Da steht z.B. im Bundessteuerblatt: „Es ist nicht möglich, den Tod eines Steuerpflichtigen als dauernde Berufsunfähigkeit zu werten und demgemäß den erhöhten Freibetrag abzuziehen“. Tot ist tot.

Oder noch besser ist ein Kommentar aus dem Bundesreisekostengesetzes:
„Stirbt ein Bediensteter während der Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet.“
Stellt euch nur vor, wie schrecklich das für einen Steuerbeamten sein muss, wenn Tote wieder auferstehen! Dann ginge ja die Dienstreise weiter! Oder das Chaos beim Standesamt, wenn einer, der schon totgemeldet ist, wieder lebt! Das geht doch nicht! So nicht!!
Ostern müsste verboten werden, schon aus Gründen der Bürokratie!

Die Auferstehung bringt alles durcheinander!
Sie bricht die alte Weltordnung auf.

Denn nach der alten Weltordnung steht am Ende immer der Tod. Punkt. Ende. Aus.

Und das ist schlimm.
In den letzten Monaten habe ich eine ganze Reihe von Menschen beerdigen müssen.
Einige haben ein hohes Alter erreicht.
Aber einige starben ziemlich jung.
Und in jedem Fall ist der Tod schlimm.
Er löscht alles aus: Alle Beziehungen. Alles Glück. Alles, was im Leben eines Menschen wertvoll war.

Der Filmemacher Woody Allen hat mal ein Bild für den Tod gebraucht. Das ist ziemlich derbe und makaber, aber irgendwie auch treffend. Er schreibt:
„Das wahre Bild allen menschlichen Lebens ist ein alles verschlingendes Toilettenrohr. Ich bin sterblich und eines Tages wird alles das Klo runterrauschen: Ich, meine Eltern, unsere Wohnung, die Nachbarn – einfach alles.“

Wenn das so ist, wenn der Tod am Ende steht, wenn alles im Nichts verschwindet, dann hat nichts und niemand bleibenden Wert, bleibende Bedeutung. Denn es wird ja alles verschlungen, egal, ob gut oder böse, ob schön oder hässlich, reich oder arm, berühmt oder unbekannt – am Ende ist alles egal. Alles gleichgültig. Alles verschwindet im Rohr.

Aber an Ostern ist diese starre Weltordnung, diese Endgültigkeit des Todes aufgebrochen worden.
Der Tod kriegt einen Riss.
Mit der Auferstehung von Jesus ist ein Dammbruch passiert. Ein Durchbruch. Eine Grenzöffnung.
Und das betrifft uns. Jeden von uns.

Mit der Auferstehung von Jesus ist es wie bei einer Geburt. Ihr erinnert euch an die Geburt eurer Kinder. Ich hab die Geburt von unserem Ersten noch sehr deutlich vor Augen. Dieses Bangen. Die Schmerzen meiner Frau. Die Apparate, die den Herzschlag des Kindes anzeigten. Die Spannung. Und dann der Moment, wo der Kopf durch ist. In dem Moment war es geschafft. Wenn Kopf durch ist, dann flutscht der Rest einfach hinterher.

Im NT wird Jesus als das „Haupt“ bezeichnet. Er ist der Kopf. Und wir als seine Jünger, seine Gemeinde, wir sind sein Leib. Wir gehören zu ihm. Wir hängen an ihm dran.

Er, unser Haupt, er ist schon auferstanden. Er ist schon durch den Tod hindurch ins neue Leben gegangen. Und wir werden, wenn wir sterben, einfach hinterherflutschen.

Wenn Du Dich im Leben an Jesus festhältst, wenn Du zu ihm gehörst, Teil seines Leibes bist, dann wirst Du mit Jesus auferstehen, durch den Tod hindurchgehen in seine neue Welt.

Wir haben eben das schöne Osterlied gehört: Auf, auf, mein Herz, mit Freuden.
Da heißt es in einer Strophe: „Ich hang und bleib auch hangen an Christus als ein Glied; wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit. Er reißet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd, durch Not, er reißet durch die Höll, ich bin stets sein Gesell.“

An Ostern ist der Durchbruch passiert. Jesus ist durchgestoßen durch den Tod zu einem neuen Leben. Und er zieht uns mit.

Der Tod hat einen Riss bekommen. Er ist nicht mehr ganz dicht. Da ist ein Spalt und neues Leben leuchtet durch diesen Spalt hindurch. 
Und so wird der Schlund des Todes wird zum Muttermund des Lebens.

Und das hat Auswirkungen auf unser Leben jetzt. Ostern bringt unser Leben durcheinander, unsere Werte, unser Verhalten.

Als die ersten Jünger endlich begriffen hatten, was am Ostermorgen passiert ist, da war ihr Leben auf den Kopf gestellt. Die Angst vor dem Tod war weg. Sie haben den Tod einfach nicht mehr so wichtig genommen. Sie konnten jetzt ihr Leben wagen für ihren Meister und für eine neue Welt.

Und Ostern verändert auch uns, wenn wir das wirklich erfassen und glauben.

Es ist ein großer Unterschied, ob ich durchs Leben gehe mit dem Gefühl: am Ende geht alles das Klo runter und ist vorbei.
Oder ob ich durch den kleinen Spalt von Ostern das Licht jenseits des Todes leuchten sehe. Dann weiß ich: Dieses Leben hier, die 80 Jahre hier auf der Erde, das ist nicht alles. Es ist nur der Anfang, nur der erste Akt eines großen Dramas. Hinter dem Tod leuchtet das Leben.

Und wenn ich das glaube, dann muss ich nicht mehr klammern an diesen Jahren.
Dann muss ich nicht mehr mein Gewissen verbiegen, nur um ein bisschen mehr für mich rauszuholen. Dann muss ich mich nicht mehr treiben lassen von der Angst, etwas zu verpassen.
Dann muss sich nicht mehr alles um mich, meinen Erfolg, meinen Genuss, meine Gesundheit drehen.

Wenn Jesus wirklich auferstanden ist und ich mit ihm, dann bekommt mein Leben hier auf der Erde eine große Weite und Gelassenheit.
Dann kann ich meine Erdenjahre einsetzen, um Sinnvolles zu tun, um Gutes zu bewirken und Gerechtigkeit zu üben. Dann kann ich Gottes Liebe großzügig an andere Menschen weitergeben.
Dann habe ich Hoffnung für jeden Menschen und Hoffnung für diese Welt.

Wenn Jesus wirklich auferstanden ist und ich mit ihm, dann wird das Leid dieser Welt nicht verharmlost, aber Leid und Tod verlieren ihren letzten Ernst. Weil hinter der Dunkelheit das Licht leuchtet und hinter dem Tod das Leben.

Ostern bringt alles durcheinander.
Genauer gesagt: Ostern bringt alles in die rechte Ordnung.

Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort.
Jesus lebt und wir werden mit ihm leben.

Und darum wünsche ich Ihnen und Euch von ganzem Herzen:

Frohe Ostern!

Amen.