Predigt, 17.1.2021        Joh. 2, 1-11
(Hochzeit zu Kana)


Liebe Geschwister,
wann sind Sie zuletzt auf einer Hochzeit gewesen?
Vielleicht ist es schon eine Weile her. Viele Hochzeiten wurden letztes Jahr abgesagt.
Aber manche konnten stattfinden.
Meine Nichte zum Beispiel. Sie hatte ihre Hochzeit geplant genau in dem kleinen Zeitfenster, wo das im letzten Jahr möglich war, im September.
Und es war so schön!!
Ein richtig tolles Fest.
So ein glückliches Brautpaar, so eine fröhliche Stimmung, leckeres Essen, gutes Programm. Wir haben viel gelacht und das Leben genossen.
Hochzeiten sind einfach etwas wunderschönes.

Der Predigttext für diesen 2. Sonntag nach Epiphanias führt uns in eine Hochzeitsfeier:

Lesung Joh. 2, 1-11

Hochzeit in Israel, in dem kleinen Dorf Kana.
Ein riesen Feier, noch viel größer als bei meiner Nichte.
Das ganze Dorf ist eingeladen. Eine ganze Woche lang wird gefeiert.
Man feiert draußen. Sonnenschein und Wärme.
Die Luft ist erfüllt von Musik und Gesang.
Es riecht nach gebratenem Fleisch.
Alle Gäste bringen Essen mit.
Die Tische biegen sich.
Es wird gelacht und getanzt und erzählt und getrunken und genossen.
Alles das, wonach wir uns gerade so sehnen.
Leben in Hülle und Fülle.

Auch Maria und Jesus sind eingeladen. Sie gehören wohl zur Verwandtschaft und reisen aus Nazareth an, ungefähr 10 Kilometer entfernt von Kana.

Die Stimmung ist super in Kana. Aber dann taucht ein Problem auf. Der Wein geht zur Neige. Vielleicht waren doch mehr Leute gekommen als geplant, oder der Durst war größer als erwartet. Der Wein geht aus und das ist furchtbar peinlich.

Die Gäste wissen noch nichts davon, aber Maria bekommt es mit. Und die stupst gleich Jesus an:
Die haben ein Problem. Kümmere dich!
Ich habe keine Ahnung, was sie erwartet hat. Zumindest traut sie Jesus einiges zu.

Der gibt ihr aber erst mal eine ziemlich schroffe Antwort und macht ihr klar, dass die Zeit noch nicht da ist, wo er als der große Wundermann auftritt.

Doch dann macht er etwas, das ist eine Art „under-cover-Wunder“. Ganz im Verborgenen.

Da stehen im Haus diese riesigen Steinkrüge. In jeden passten an die 100 Liter Wasser. Die wurden benutzt für die kultische Reinigung. Die Gäste konnten sich Hände und Füße damit waschen. Das gehörte sich so in Israel. Jetzt sind die Krüge fast leer.

Und nun gibt Jesus einige Anweisungen, die müssen für die Diener sehr seltsam geklungen haben. Sie sollen diese Krüge mit Wasser füllen.
„Moment“, denken sie, „wir haben doch nicht zu wenig Wasser, sondern zu wenig Wein!? Aber ok, Maria hat gesagt, wir sollen machen, was er uns sagt.“ Also füllen sie die Krüge.
Und dann sollen sie etwas davon dem Festmeister bringen. Das war bei solchen Feiern der Mensch, der die Verpflegung organisierte.
Sie bringen ihm also etwas von diesem Wasser aus den Krügen. Und er ist hellauf begeistert. Das Wasser schmeckt nach Wein. Bestem Wein!
Er weiß nichts von Jesus und den Wasserkrügen. Er staunt nur, dass der Bräutigam das Beste bis zum Schluss aufgehoben hat.

Da ist etwas passiert, was kaum einer so ganz mitgekriegt hat. Die Diener ahnen etwas. Die Jünger von Jesus auch. Maria kriegt etwas mit. Aber sonst merken nur alle: Es ist genug Wein da. Woher auch immer.

Auf den ersten Blick wirkt das ganze ja wie ein Zaubertrick. Gerade ist es noch Wasser; plötzlich ist es Wein. Wie hat er das nur hinbekommen? Was ist der Trick?

Oder man denkt: Eine hübsche Geschichte, die sich Johannes da ausgedacht hat und heftet das ganze ab unter der Rubrik Märchen.

Ich glaube, dass beides falsch ist.
Der letzte Satz im Text ist entscheidend:

Es war das erste Zeichen, das Jesus tat und er offenbarte damit seine Herrlichkeit.

Mit diesem Satz greift der Evangelist Johannes etwas auf, was er im ersten Kapitel, im Prolog, hat anklingen lassen.

Da heißt es über Jesus – wir haben das im Gottesdienst am Heiligen Abend gehört –
„das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.“ (Joh. 1, 14)
Und im ganzen Evangelium wird diese Aussage entfaltet:

Gott ist in Jesus Mensch geworden.
Er ist Fleisch geworden, sichtbar und anfassbar.
Und er hat seine Herrlichkeit, sein göttliches Wesen offenbart.

Und wenn das wahr ist, dann war diese Sache in Kana kein Zaubertrick, sondern eine Offenbarung!

Wie zeigt sich also Gott auf dieser Hochzeit?
Was macht er da von sich sichtbar?


Das erste ist:

1. Gott ist kreativ.

Er ist schöpferisch. Er kann Neues schaffen. Er kann Sachen verwandeln.

Vielleicht haben manche Probleme, sich das vorzustellen, dass da aus Wasser Wein wird. Man denkt sich: Das kann doch gar nicht sein.
Aber wenn es stimmt, dass Gott in Jesus war – dann ist das kein Problem! Gott ist kreativ.

Wir sehen das in der Natur. Wir können es jedes Jahr an den Weinstöcken beobachten. Auch da passiert ein Wunder. Aus winzigen Blüten entstehen Früchte voller Saft. Das Wasser, das vom Himmel fällt, wird von der Pflanze aufgenommen. Und mit Hilfe der Sonne und den Nährstoffen des Bodens wird daraus köstlicher Traubensaft.

Gott ist schöpferisch. Er verwandelt ständig Wasser in Wein. Was damals in Kana passierte, das passiert jedes Jahr. In Kana ging es nur ein bisschen schneller, sozusagen im Zeitraffer.
Gott ist kreativ.

Dann zeigt uns Jesus:

2. Gott ist großzügig

Jesus stellt ja nicht nur ein, zwei Liter Wein her, sondern eine Riesenfülle. Sechs große Behälter voll. Da könnte man drin baden. Überfließend viel für alle.

Gott ist kein Geizhals. Er ist kein Knauserer, sondern großzügig.
Er schafft Fülle.
Und das überall.

Schauen Sie den Sternenhimmel an: Was für eine Fülle! Milliarden von Sternen, von Gott geschaffen!
Schauen Sie die Meere an: Was für eine Fülle von Lebewesen, die Gott entstehen ließ! So viele und so verschiedene!
Schauen Sie in den Wald: Was für eine Fülle an Bäumen, an Samen und Früchten!
Die ganze Natur ist so verschwenderisch, und sie zeigt uns Gottes Wesen.

Gott schafft Überfluss, schafft Leben in Hülle und Fülle.

Das heißt natürlich nicht, dass wir immer alles im Überfluss in uns hineinstopfen sollen. Wir selber brauchen ein Maß. Für Wein und für alles andere. Wir müssen lernen, uns zu begrenzen.

Und wir können das lernen, gerade weil Gott großzügig ist. Er schenkt mit vollen Händen.
Wer das glaubt, der braucht keine Angst haben, zu kurz zu kommen.
Wenn Du vertraust, dass Gott auch morgen großzügig geben wird, dann brauchst du nicht mehr in die hineinzuschlingen und zu raffen, sondern kannst dein gutes Maß finden.

Gott gibt großzügig!

Und damit hängt das Dritte zusammen, das Gott hier von sich offenbart:

3. Gott macht uns gerne froh

Das muss doch eine fantastische Stimmung gewesen sein, als es für alle wieder zu trinken gab. Braut und Bräutigam werden froh gewesen sein! Der Küchenchef war erleichtert. Die Diener freuten sich. Maria war froh und alle Gäste haben es genossen.
Jesus sorgt für Freude auf dem Fest.

Und er hat ja, als die alle fröhlich feierten, nicht daneben gestanden mit einem Sauertopfgesicht und gegrummelt: Die sollten mal nicht so fröhlich sein! Nein! Natürlich nicht! Der hat sich doch mitgefreut und mitgefeiert!

Und so ist Gott. Er ist kein Spaßverderber ist, der uns die Lebensfreude nicht gönnt.

Manche Menschen haben ja so ein Bild von Gott: So ein kleinherziges Wesen, das den Verzicht lobt und den Genuss nicht gönnt.

Manchmal hat die Kirche leider so ein Bild von Gott transportiert. Heinrich Heine hat ja im Wintermärchen nicht ganz untreffend von den Kirchenvertretern in seiner Zeit gedichtet: „Sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser.“

Doch hier zeigt sich Gott ganz anders:
Er gönnt uns echte Freude. Er freut sich mit, wenn wir fröhlich sind.
Nur vor den Freuden, die uns schaden, will er uns schützen und zieht Grenzen.
Aber er gönnt uns alles Gute.
Weil er jeden von uns liebhat.


In Jesus sehen wir einen Gott, der kreativ ist und großzügig und uns gerne froh macht.

Im Moment sehen wir so wenig davon.
Im Moment erleben wir so wenig von dieser Fülle und Freude und es wirkt vielleicht so, als hätte Gott seine Erde vergessen und kümmert sich gerade um andere Welten.

Um so wichtiger ist es, dass wir in diesen dunklen Zeiten unseren Blick darauf richten, wo Gott sich gezeigt hat, wo es eine Epiphanie, eine Offenbarung gab.
Kana ist so ein Ort. Bei dieser Hochzeit damals hat Gott gezeigt, wie er immer ist, auch heute, auch wenn es im Moment gar nicht so scheint.

Darum ist es gut, wenn wir diesen Bericht in unser Herz bringen und ihn mit uns gehen lassen durch die Woche, die vor uns liegt.
Wir haben jetzt noch eine harte Zeit vor uns.
Aber irgendwann werden wir wieder feiern können und Menschen umarmen und tanzen und das Leben genießen. Und Gott wird dabei sein und sich mit uns mitfreuen.

Amen.