Predigt 11.1.2026 Mt.3, 13-17

14.1.2026

J.Berewinkel

Ihr Lieben, wir haben gerade den Jahreswechsel hinter uns. Jeder Jahreswechsel ist ja ein Einschnitt im Leben. Ein kleiner Einschnitt. Es gibt aber im Leben auch große Einschnitte. ...

Ihr Lieben,
wir haben gerade den Jahreswechsel hinter uns.
Jeder Jahreswechsel ist ja ein Einschnitt im Leben. Ein kleiner Einschnitt.

Es gibt aber im Leben auch große Einschnitte. Ganz besondere Momente, wo etwas Altes aufhört und etwas Neues anfängt: Das Ende der Schulzeit, Examen, Heirat, das erste Kind, ein Umzug, irgendwann der Eintritt in Ruhestand, …

Wenn Sie zurückdenken, werden Ihnen sicher schnell auch solche Lebenseinschnitte einfallen.

Solche besonderen Punkte gab es auch im Leben von Jesus. Einer davon war der Schritt in die Öffentlichkeit, der Beginn seiner öffentlichen Wirksamkeit. Das ist heute unser Thema.

Wir wissen über Leben von Jesus nur ganz wenig.
Die Evangelien berichten über seine Geburt
Lukas berichtet noch von einer Begebenheit als er 12 war. Und dann hören wir erst wieder etwas, als er bereits Mitte dreißig ist.
Was dazwischen war, wissen wir nicht. Nach einem außergewöhnlichen Anfang verschwindet er in der Unauffälligkeit.
Wahrscheinlich ist Jesus wie sein Vater Handwerker geworden ist, hat in Nazareth gelebt und hat ein unauffälliges Leben geführt hat.

Und dann kommt der Einschnitt. Mit etwa 33 Jahren tritt Jesus aus der Verborgenheit heraus in die Öffentlichkeit. Im Grunde beginnt erst da sein eigentliches Leben.

In den Monaten vorher ereigneten sich seltsame Dinge in Israel, unten im Süden, weit weg von Nazareth, wo Jesus wohnte.
In Jerusalem brodelte es.
Theologen und Politiker hielten hinter verschlossenen Türen Sondersitzungen ab und diskutierten erhitzt: Das ist gefährlich! Das müssen wir verbieten!
Das können Sie nicht verbieten!, sagten andere, sonst gibt es einen Aufstand!

Im Volk flüsterte man erregt: Endlich einer, der den Mut hat, die Dinge beim Namen zu nennen. Der die Korruption offen anspricht! Der mit der Verweltlichung der Priester ins Gericht geht! Der keine Angst vor den Mächtigen hat und Sünde Sünde nennt.

Johannes hieß der Mann.

Die Leute fühlten sich wie von einem Magneten angezogen: Den muß ich auch mal hören! Da muß ich hin! Und sie zogen in Massen hinunter an den Jordan. Sie mussten nicht lange suchen. Alle am Jordan wussten Bescheid, wo er zu finden ist.
Von allen Seiten kamen die Leute heran, aus Jerusalem, aus den Dörfern, sogar aus Galiläa. Hunderte von Menschen.

Wenn man nah genug `ran ging, konnte man ihn sehen. Er stand im Jordan. Ein merkwürdiger, wilder Typ: Mantel aus Kamelhaar, feurige Augen. Er predigte und tauchte die Leute im Jordan unter. Er nannte das „Taufe“.

Was er den Menschen, die zum ihm kamen, sagte, war überhaupt nicht schmeichelhaft.
Er nannte sie „Schlangenbrut“ und „Heuchler“.

Er sagte ihnen: Ihr habt die Tür zum Himmel zugeknallt! Ihr habt Gott den Rücken zugekehrt!
Kein Wunder, dass Gott nichts mehr mit euch zu tun haben will!
Ändert endlich euer Leben! Macht endlich ernst mit Gott und kehrt um. Wenn nicht, fahrt ihr zur Hölle!!

Und das Merkwürdige ist: Die Leute glaubten ihm. Sie spürten: das sind nicht leere Worte. Den hat Gott selbst geschickt!

Und sie gingen hin zu ihm und beichteten, ganz konkret: Ich hab gelogen! Ich bin fremd gegangen! Ich habe gestohlen…

Und dann tauchte er sie unter im Jordanwasser:
Jetzt bist du reingewaschen! Jetzt kannst du ganz neu anfangen!

Immer mehr kamen. Es war eine regelrechte Erweckungsbewegung. Ein großer geistlicher Aufbruch. Ein Ruck ging durch das Volk. Und viele, die bis dahin religiös gleichgültig waren, werden auf einmal wach und offen und ändern ihr Leben! Menschen, die bis dahin ohne Gott lebten, fangen ein neues Leben an. Die, die bisher nur aus Tradition zur Kirche gingen, werden auf einmal Feuer und Flamme für Gott!

Damals geschah etwas in Israel, was ich mir für unsere Kirche, für unsere Region auch wünsche: ein geistlicher Aufbruch. Ein neues, echtes, beunruhigtes Fragen: Was will Gott von mir? Eine innere Bereitschaft, das eigenen Leben zu verändern und Gott an die 1. Stelle zu setzen.

Erweckung am Jordan.

Johannes wusste aber genau: Das ist alles nur Vorbereitung. Ich bin nur die Vorhut Gottes. Ein Größerer wird kommen. Der wird das Reich Gottes bringen. Der Knecht, von dem schon Jesaja sprach. Der Messias.
Und er schaute und wartete auf den einen.

In dieser spannungsgeladenen Zeit tritt Jesus in die Öffentlichkeit. Er tut es in einer Weise, die den Johannes total irritiert hat:

Lesen Mt. 3, 13-17

Eines Tages taucht also Jesus am Jordan auf.
Und irgendwie weiß Johannes, dass Jesus der ist, auf den er wartet.
Die waren ja entfernt verwandt. Kannten sich vielleicht. Vielleicht hatte Johannes von seiner Mutter gehört, dass da bei der Geburt von Jesus seltsame Sachen geschehen sind.
Vielleicht hatten sie ein Gespräch, das ihm die Klarheit brachte.
Oder es war ein prophetischer Durchblick.
Jedenfalls weiß Johannes: Der ist es, auf den ich warte. Der ist der Mann, der Gottes Reich bringen wird. Der vollenden wird, was ich angefangen habe.

Aber dann macht Jesus etwas, womit Johannes überhaupt nicht klar kommt: Jesus stellt sich nicht neben Johannes und fängt an zu predigen, sondern er stellt sich in die Schlange der Leute, die getauft werden wollen. Steht da, vor ihm einer dieser schmierigen Zolleinnehmer, die nie genug kriegen können, hinter ihm eine Frau, die offensichtlich aus dem Rotlichtmilieu kommt. Neben ihm einer von diesen heuchlerischen Schriftgelehrten. Jesus mittendrin, eingekeilt von den Sündern. Als wäre er einer von ihnen! Als wäre er einer, der Dreck am Stecken hat!

So steht er in der Warteschlange der Leute, die sich taufen lassen wollen. Und er rückt immer näher. Johannes wird immer unruhiger. Und als Jesus dann dran ist, sagt Johannes:
Das kann ich doch nicht machen! Jesus, das passt doch nicht! Ich kann dich doch nicht taufen! Da sind doch die Rollen total vertauscht! Ich müsste mich von dir taufen lassen und nicht du dich von mir!

Vertauschte Rollen!

Dann gibt Jesus eine seltsame Antwort: Lass es geschehen. Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert.

Was meint Jesus damit? Wie versteht Ihr das? Warum lässt er sich taufen? Johannes hat doch eigentlich recht: Jesus hatte es nicht nötig. Es sind wirklich vertauschte Rollen.
Aber Jesus weiß: genau dieser Tausch ist Gottes Weg, Gottes Wille für mich.

Mit der Taufe beginnt ein Weg, der drei Jahre später am Kreuz endet. Jesus tritt an unsere Stelle, tauscht die Rollen. Er wird einer von uns, reiht sich ein in die Sünderschlange.
Der einzige Mensch, der wirklich ohne Sünde war, ohne Versagen, ohne böse Gedanken – der lässt sich mit uns Durchschnittsmenschen identifizieren; verhält sich als wäre er genau so wie wir. Als hätte er genau so Vergebung nötig wie der Zolleinnehmer vor ihm und die Prostituierte hinter ihm und der Heuchler an seiner Seite.

Ich möchte es mal mit einem Bild ausdrücken: Wir sitzen alle in einer tiefen Grube aus der wir nicht selber rauskommen: Gefangen in Streitigkeiten, Empfindlichkeit, verletztem Stolz, schlechten Taten, die wir nicht mehr rückgängig machen können, sitzen fest in Angst und Sorge.
Wir sitzen da in der Grube und kommen nicht raus.

Und Jesus steht nicht oben am Grubenrand, schaut runter und ruft uns zu: Los, kletter rauf! Streng dich an, werde endlich ordentlich, ehrlich, diszipliniert, liebevoll!
Sondern Jesus steigt zu uns hinunter. Kommt in die Grube, wird einer von uns. Er macht sich ganz klein, beugt sich ganz tief, damit wir auf seinen Rücken, seine Schultern steigen können und so aus der Grube herauskommen.

Mit der Taufe fängt das an. Beim Kreuz endet das.
Der erste Schritt von Jesus in die Öffentlichkeit ist der erste Schritt auf dem Weg zum Kreuz.

Und dann gibt es da noch etwas, was mich bei der Geschichte von der Taufe von Jesus berührt:
Jesus hat eine ganzes, ungebrochenes JA zum Willen Gottes.

„Lass es geschehen. Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert.“

Jesus wusste: das ist Gottes Weg für mich! Und er sagte Ja dazu, obwohl er sicherlich ahnte wie dieser Weg enden würde.

Er wusste, dass er zu Großem berufen ist, dass er in einzigartiger Weise mit Gott verbunden war, Sohn war. Und doch hat er 33 Jahre seines Lebens unauffällig, als unbedeutender Handwerker in einem kleinen Kaff gelebt. Von keinem erkannt, nichts Außergewöhnliches getan. Nur auf seine Stunde gewartet.
Und dann hatte er 3 Jahre für sein eigentliches Lebenswerk. Nur 3 Jahre. Unglaubliches geschah in dieser Zeit. Und am Ende wurde er verlassen, verraten, öffentlich erniedrigt und als Verbrecher hingerichtet.

Das war sein Leben auf dieser Erde. Das war Gottes Weg, Plan für ihn. Und Jesus sagt JA dazu: Ja, das ist mein Lebensweg. Das ist meine Berufung. Und diesen Weg will ich gehen.

Wie geht Ihnen, euch das mit Gottes Lebensführung?
Mir fällt das nicht immer so leicht, Ja zu sagen zu Gottes Plänen, Fügungen.
Manchmal hadern wir – mit bestimmten Umständen, mit Grenzen, die wir erleben, mit unerfüllten Träumen…

Aber ich glaube, wir werden nur dann Frieden finden, wir werden nur dann innerlich heil werden, wenn wir zu unserem Lebensweg ein ganzes Ja sagen, wenn wir innerlich versöhnt sind mit Gottes Fügung.
Ja, ich nehme diesen Lebensweg als Gottes Weg mit meiner Seele an.

Jesus hat dieses Ja.
Er geht gehorsam den ersten Schritt und lässt sich taufen.
Und in dem Moment, wo er diesen Schritt geht,
da öffnet sich der Himmel.

Ihr habt Gott die Türe zugeknallt – hatte Johannes gesagt. Ihr habt den Himmel verschlossen!

Durch Jesus geht der Himmel wieder auf.
Durch ihn kommt Gottes Geist auf diese Erde.
Durch ihn wird die Verbindung zwischen Gott und Menschen wieder hergestellt.

Die allermeisten von uns sind selber getauft, nehme ich an. Und die meisten von uns wurden getauft, als wir Babys waren. Wir erinnern uns nicht daran.

Bei seiner Taufe hat Jesus sich eins gemacht mit uns Menschen, hat sich mit uns, mit unseren Schwächen und Sünden und dunklen Seiten identifiziert.

Und in unserer Taufe werden wir eins gemacht mit Jesus. Wir werden hineingetauft in ihn, mit verbunden und verbündet.

Taufe heißt: Ich gehöre zu ihm und er gehört zu mir!
Was er hat, wird meins und was ich habe, wird seins. Wir gehören zusammen.

Und da, wo das passiert, wo wir dazu wirklich Ja sagen, da geht der Himmel auf.
Da werden wir, was er ist:
Geliebte Söhne und Töchter Gottes.

Und der Friede Gottes…
Amen.