Liebe Geschwister!
In Gaza herrscht Hunger.
Wir sehen jeden Tag die Bilder von abgemagerten Menschen, die mit leeren Töpfen an irgendwelchen Ausgabeständen stehen und nach Nahrung schreien.
Es ist schlimm, dass Menschen so etwas erleben müssen! Wie gut, dass jetzt zumindest ein kleines bisschen Nahrung reinkommt und dass der Druck auf die israelische Regierung wächst, endlich die Laster mit Lebensmitteln ins Land zu lassen.
Hunger muss furchtbar sein.
Ich weiß nicht, ob jemand von Euch schon mal Hunger erlebt hat. Ich hab es noch nie. Natürlich, wenn man mal fastet, dann spürt man ein Hungergefühl. Aber freiwillig auf Nahrung verzichten, wenn man weiß, dass man jederzeit etwas essen könnte, wenn man nur will – das ist etwas ganz anderes als der echte Hunger.
Echten Hunger kennen wir eigentlich nicht.
Zur Zeit von Jesus war das anders.
Viele Menschen kannten Hunger. Es gab immer wieder Missernten. Es gab große Armut. Und es war überhaupt nicht selbstverständlich, dass man sich satt essen konnte, dass genug Brot da ist.
Brot – das ist das Thema in unserem Predigttext heute.
Ein Abschnitt aus dem Johannesevangelium.
Jesus hatte 5000 Menschen mit Brot satt gemacht. Hatte ihren Hunger gestillt. Und am nächsten Tag gibt es eine Diskussion. Die Volksmenge will mehr und sie reden mit Jesus.
Lesen: Joh. 6, 30-35
Bei der Speisung hatte Jesus den Leuten Brot gegeben. Handfestes Brot, das den Mangel füllte. Das war auf einmal da gewesen, wie aus dem Nichts. Und jetzt wollen die Leute noch mehr davon. Am besten jeden Tag, wie damals im alten Israel mit dem Manna. Wir haben das eben in der Lesung gehört. Jeden Tag Brot vom Himmel. Das wäre doch traumhaft.
Jesus greift diesen Hunger nach Brot auf. Er hat ja die körperlichen Bedürfnisse der Menschen immer ernst genommen. Er hat ihnen ja deswegen Brot gegeben. Er hat Kranke geheilt. Hat sich um den Leib immer gekümmert und das in keiner Weise abgewertet.
Aber jetzt will er die Menschen auf eine tiefere Ebene führen. Er will ihnen mehr geben als Brot für den Magen.
Es gibt einen Hunger, der tiefer geht.
Einen Hunger, der bleibt, auch wenn der Bauch voll ist. Hunger nach Leben.
Wir kennen heute zwar keinen körperlichen Hunger mehr. Aber diesen Hunger nach Leben – den kennen doch die meisten von uns, oder?
Hunger, der in der Seele sitzt.
Dieses Schmachten, dieses Verlangen nach tiefem, erfülltem Leben. Dieses Gespür, dass es doch mehr geben muss als nur Arbeit und Abwasch und Alltagstrott.
Lebenshunger.
Ich habe mal einen Chat zwischen mehreren Leuten im Internet gelesen zum Thema „Lebenshunger“.
Eine Frau schrieb da etwas ganz Bewegendes:
Hallo Ihr,
das ist ein thema, das mich auch grad beschäftigt. Ich fühle mich wie in einer sackgasse. ich spüre unmengen kräfte und energien in mir, aber sie kommen nicht raus. nichts bewegt sich. gesundheitlich, beruflich, persönlich.
oder doch? naja, es gibt kleine leise schritte. kaum wahrnehmbar…
aber zufrieden macht mich das gerade noch nicht.
reiten, musikinstrument lernen, töpfern, reisen, klettern, swingerclub – ja, hab ich auch probiert. hat mal spaß gemacht, aber nichts davon hat mich wirklich vorwärts bewegt. meinen hunger gestillt.
ich frage mich – ist das das leben?
ich frage nicht, um zu provozieren, sondern weil ich selbst auf suche bin….
aber was ist denn LEBEN?
genügt es, den öden alltag mit spannenden freizeitaktivitäten zu füllen, um dem leben einen sinn zu geben?
ich glaube, das funktioniert nur vorübergehend.
ich komme immer mehr zu der erkenntnis, mit aktionismus, mit aktivitäten im außen hat es nichts zu tun. ich suche nach etwas, das für mich einen sinn ergibt.
…
ich denke, die unzufriedenheit, die man im alltag verspürt, und die süchte, die daraus entstehen – futtern, fernsehen, trinken, bis hin zur beziehungssucht – das liegt nicht daran, dass man zu wenig macht. sondern an einer inneren leere. die kann man nicht mit irgendwelchen freizeitaktivtäten füllen. sondern nur mit inneren schätzen.
(Aus: bfriends.brigitte.de; 2009)
Die Frau, die das geschrieben hat, die hat etwas sehr Tiefes erkannt: Den Lebenshunger können wir nicht stillen mit Sachen, die wir in uns reinstopfen. Weder mit Süßigkeiten noch mit vielen Aktivitäten oder Kreuzfahrten.
So können wir die innere Leere nicht ausfüllen.
Nur mit „inneren Schätzen“.
Und ich glaube, diese Frau hätte sehr genau hingehört als Jesus diese Worte sagte, die wir eben im Predigttext gehört haben:
„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“
Da spricht Jesus genau diesen Hunger an.
Er weiß: Wir Menschen brauchen mehr als Sachen, die den Bauch füllen oder die Nerven kitzeln.
„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“
Es lohnt sich, genau auf den Wortlaut zu achten.
Jesus sagt hier nicht:
Ich gebe dir Brot des Lebens.
Er ist keiner, der uns irgendwas verkaufen will.
Es ist keine Werbekampagne, die uns mit leeren Versprechungen lockt.
Jesus ist kein Händler.
Sondern er sagt: Ich bin das Brot.
Ich in meiner Person.
Ich bin es, der dich satt macht.
Nicht Spiritualität an sich macht dich satt.
Nicht Kirche. Sondern „Ich“, Jesus, als Person.
In diesem Wort klingt schon an, dass er sich ganz für uns hingibt, um uns satt zu machen. Er verschenkt sich selbst, verschenkt sich an uns, um unseren Hunger zu stillen. Wir werden das gleich im Abendmahl nachempfinden können.
Interessant ist auch, dass Jesus sagt: ich bin das Brot.
Er sagt nicht: Ich bin die Schokolade des Lebens.
Er ist nicht gekommen, um unser Leben zu versüßen.
Für manche Menschen ist ja Glaube und Religion so was wie die Schokolade fürs Leben. So etwas für besondere Stunden, für feierliche Momente. Eine Verzierung. Eine Versüßung, die aber nicht wirklich in den Alltag gehört.
Aber Jesus sagt: Nein, ich bin nicht die Schokolade, sondern das Brot.
Kein Luxus, sondern Grundnahrungsmittel für jeden Tag. Bei ihm finden wir Liebe und Geborgenheit und Sinn. Das ist kein Luxus, sondern elementar.
Ich bin das Brot. Damit sagt Jesus ja eigentlich: Es gibt keinen Menschen, der mich nicht braucht. So wie jeder Brot braucht, so brauchen wir ihn.
Ich frage mich, ob das stimmt.
Es gibt doch so viele Menschen, gerade hier bei uns, die keinen Bezug zu Jesus und zum Glauben haben und die doch gut ohne ihn leben. Die ihn offenbar nicht brauchen. Jedenfalls empfinden sie es so.
Wie ist das? Brauchen Menschen Gott? Brauchen sie Jesus? So wie wir das Brot brauchen? Was meint Ihr?
Ich denke, den Hunger empfinden viele.
Wie wir das eben in diesem Chat gehört haben.
Man kann diesen Hunger bestimmt überdecken.
Man kann die Seele füttern mit vielerlei.
Und vielleicht fühlt man auch irgendwann diesen Hunger gar nicht mehr.
Aber dass da eine Leere ist ohne Gott, ein Loch in der Seele – ich glaube, das ist wohl so, bei jedem.
Und gestillt wird dieser Hunger wohl doch nur bei dem, von dem wir herkommen, der uns das Leben geschenkt hat: Bei Gott, dem Gott, der uns in Jesus ganz nahe gekommen ist.
Ich bin das Brot das Lebens!
Jesus verspricht uns hier nicht, dass er alle unsere Wünsche erfüllt.
Oder dass er alle unsere Lebensumstände so verändert, wie wir das gerne hätten.
Aber er verspricht, dass er uns in einer viel tieferen Weise satt macht.
Wir hatten vor ein paar Tagen ein Planungstreffen für unseren nächsten Familiengottesdienst. Da erzählte eine Frau: Wenn ich in den Gottesdienst gehe, dann spüre ich danach immer, dass ich gesättigt bin, dass mein Glaube neue Nahrung bekommen hat, neues Feuer.
Vielleicht geht es manchen von euch auch so.
Vielleicht haben aber auch manche den Eindruck: Ich gehe zum Gottesdienst. Ich glaube an Gott, an Jesus. Ich mache mit. Es ist alles nett.
Aber irgendwie habe ich trotzdem das Gefühl, dass ich nicht satt werde.
Wieso?
Stimmt das wirklich, dass Jesus satt macht oder sind das doch nur schöne Worte ohne Realität?
Ich will da noch mal beim Brot ansetzen:
Wie macht Brot satt? …
Indem man es isst!
Wenn das Brot nur im Brotkorb liegt, wenn du es nur anschaust, macht es dich noch nicht satt.
Da nützt es dir noch nichts.
Ich muss es essen, um satt zu werden.
Ähnlich mit Jesus:
Allein ein Bekenntnis zu Jesus macht noch nicht satt.
Nur die richtige Meinung über Jesus haben, die richtige Lehre haben, zum Gottesdienst gehen und die Lieder mitsingen – das kann deinen Hunger nicht stillen.
Es kommt darauf an, dieses Brot des Lebens wirklich zu dir zu nehmen. Dich wirklich von ihm zu nähren.
So wie das Brot in mich hineinkommt, zerkaut wird und verdaut wird, so kommt es darauf an, dass ich seine Worte tief in mein Inneres hineinsinken lasse, so tief, dass sie mein Denken und Fühlen und Handeln beeinflussen.
Und nicht nur seine Worte aufnehmen, sondern mit ihm selber in realem Kontakt sein. Mit ihm sprechen, mein Herz ihm ausschütten. Ihn hineinwirken lassen in meinen Alltag.
Ihn essen.
Gleich feiern wir das Abendmahl.
Da können wir das so ein kleines bisschen einüben und vollziehen.
Wir empfangen ein Stück Brot, einen Schluck Wein.
Aber Jesus sagt uns: Im Brot und im Wein bin ich selber da.
Und wie wir das Brot in uns aufnehmen, so können wir im Herzen ihn selbst aufnehmen.
Und so können wir vielleicht auch die Erfahrung machen: Ja, er macht meine Seele satt.
Bei ihm wird mein Lebenshunger gestillt.
Jesus – das Brot des Lebens.
Ich wünsche euch großen Appetit!
Amen.
Liebe Geschwister!
In Gaza herrscht Hunger.
Wir sehen jeden Tag die Bilder von abgemagerten Menschen, die mit leeren Töpfen an irgendwelchen Ausgabeständen stehen und nach Nahrung schreien.
Es ...