Predigt 30.4.2023 Lk.14, 16-24

1.5.2023

J.Berewinkel

(Voraus ging Lesung des Textes) Ihr Lieben, Jesus liebte es, Geschichten zu erzählen. Gleichnisse. Das Besondere an diesen Geschichten ist, dass sie verschlüsseln und offenbaren. Beides zugleich. Wer nur ...

(Voraus ging Lesung des Textes)

Ihr Lieben,
Jesus liebte es, Geschichten zu erzählen. Gleichnisse.
Das Besondere an diesen Geschichten ist, dass sie verschlüsseln und offenbaren. Beides zugleich.
Wer nur oberflächlich hinhört, der hört nur einfach eine komische Geschichte.
Aber wenn man genauer hinhört und nachdenkt, dann merkt man:
Diese Geschichten sind subversiv.
Sie stellen die gängigen Bilder von Gott und der Welt auf den Kopf. Sie enthüllen eine völlig neue Sicht von Anstand und Religion.
Hätte Jesus seine Botschaft unverhüllt gesagt, dann wäre er wahrscheinlich schon nach wenigen Wochen verhaftet worden.

Aber diese Gleichnisse – man merkte nur: Das klingt ziemlich ungewohnt und irgendwie – gefährlich.

Jetzt also dieses Gleichnis von einem großen Festessen, das wir gerade gehört haben.

Man könnte es auch so überschreiben:

Ein Festessen und zwei Skandale

Da ist also ein Mensch, der bereitet ein großes Festessen vor. Über den Anlass wird nichts gesagt. Vielleicht ist es der 50. Geburtstag oder so. Jedenfalls soll es eine ganz große Feier geben.

Alles wird sorgfältig geplant.
Schon vor Wochen sind die Einladungskarten herausgegangen.
Ich stelle mir so richtige Edeleinladungen vor auf Büttenpapier:
Einladung zum Festbankett, am Sonntag, den 30. April.
Er lädt viele Leute ein. Alles, was in der Stadt Rang und Namen hat und viele, viele andere.

Schon ein paar Tage vor dem Fest hat der Weinlieferant große Mengen Wein gebracht, alles edle Sorten. Der Gastgeber hat sich viel Mühe gemacht, sie auszuwählen und jede Sorte selber gekostet.

Am Festtag geht es seit dem frühen Morgen in der Küche rund: Zusätzlich zu seinen Angestellten hat der Mann etliche Hilfskräfte geholt, die alle durcheinander wuseln.
Fleisch wird geschlachtet, Gemüse geputzt. Alle möglichen Sorten von Nachtischen werden sorgfältig dekoriert. Überall wird gekocht und gebraten, es dampft und duftet.

Der riesige Festsaal ist geputzt und glänzt vor Sauberkeit. Die Tische sind gedeckt. Nicht nur ein Tisch, wie dieser hier. Sondern viele Tische. Schöne Teller werden aufgelegt.
Besteck aus echtem Silber.
Edle Weingläser
Servietten werden schön dekoriert.
Blumen und Kerzenständer.
Die Kerzen sind angezündet.

Die Musikkapelle ist schon da und stimmt die Instrumente. Es wird Tafelmusik geben und anschließend kann bis in die Nacht hinein getanzt werden.

Die Leute im Haus, die da arbeiten, raunen sich zu: Das wird ein Fest! Mensch, da würde ich gerne mitfeiern! Alles ist in gespannter Erwartung.

Wenn Jesus Geschichten erzählt, dann erzählt er damit immer von Gott, von seiner Beziehung zu uns.
Gott ist wie dieser Gastgeber.
Gott lädt uns ein. Er will uns Menschen bei sich haben, will mit uns Kontakt, eine lebendige, heile Beziehung.
Und diese Gemeinschaft mit Gott ist wie ein großes Fest, sagt Jesus. Es ist herrlich, schön, heiter und festlich. Es bedeutet ja, mit dem zusammen sein, der alles Schöne erfunden hat, in Verbindung stehen mit der größten Liebe, der größten Kraft, die es im Universum gibt.

Gott kennen ist Leben hat Leo Tolstoi einmal gesagt. Und er hat Recht. Wer Gott kennt, der hat die Quelle des Lebens gefunden, der erfährt Liebe und Sinn und Geborgenheit. Der hat erfülltes, festliches Leben.

Dieses Fest der Gemeinschaft mit Gott beginnt schon hier, in diesem Leben auf der Erde. Auch wenn es hier immer wieder durch Leid und dunkle Erfahrungen überschattet wird. Aber es fängt schon an. Und es kommt zu seinem Höhepunkt, zur vollen Entfaltung, im Himmel, in Gottes neuer Welt. Da wird dann nichts mehr die Festfreude trüben.

Könnt ihr das glauben, was Jesus hier sagt?
Dass Gemeinschaft mit Gott wie ein herrliches, wunderschönes Fest ist?

Wenn unsere Zeitgenossen an Gott oder Christsein oder Kirche denken, dann kommen da oft ganz andere Assoziationen auf: Man denkt dann vielleicht an Moral oder assoziiert damit eine gedrückte Stimmung oder Langeweile. Das ist so schade!
Denn Jesus sah das völlig anders.

Er kannte Gott, besser als jeder von uns. Und er wusste: Mit Gott zusammensein – das ist einfach nur wunderschön!

Jeder GD, den wir feiern, jede Taufe, müsste doch etwas von diesem Glanz des großen Festes haben.
Und wenn unsere Gottesdienste noch nicht so festlich und fröhlich sind – dann stimmt da etwas noch nicht. Dann lasst uns weiter daran überlegen, wie noch mehr von diesem festlichen Charakter deutlich werden kann!
Das große Festessen.

Aber jetzt passiert der erste Skandal in der Geschichte.

Alle Vorbereitungen sind abgeschlossen. Das Essen steht auf den Warmhalteplatten. Die Weinflaschen sind geöffnet. Die Kerzen brennen.
Der Gastgeber schickt seinen Diener los: Sag allen Gästen: Es ist soweit. Kommt, es ist alles bereit!
Das war so üblich damals als es noch keine Uhren gab. Unmittelbar vor dem Fest wurde den geladenen Gästen gesagt: Jetzt könnt ihr kommen.

Doch nun der Eklat:
Ein Gast nach dem anderen lässt sich entschuldigen:
Tut mir leid, ich kann doch nicht kommen!

Und was für Ausreden sie vorbringen!
„Ich habe einen Acker gekauft und muss ihn mir unbedingt angucken. Tut mir leid!“ Als könnte er sich den Acker nicht auch noch morgen anschauen!

Oder: Ich habe eben ein paar Ochsen gekauft und muss heute Abend noch hingehen und sie mir genauer ansehen. Tut mir leid!

Oder: Ich bin doch ganz frisch verheiratet und habe darum wirklich keine Zeit heute Abend! Das wirst du doch sicher verstehen!

Lauter faule, fadenscheinige Ausreden.

Stellen Sie sich mal vor, Ihnen würde das passieren! Sie machen eine große Feier, ein Tauffest oder ein runder Geburtstag. Sie bereiten alles ganz liebevoll vor – und dann sagt einer nach dem anderen ab.

Das ist doch schlimm!
Die benehmen sich unmöglich, diese Leute! Das Fest und der Gastgeber ist ihnen schnurzegal. Alles andere ist ihnen wichtiger. Lieber auf den Acker stampfen und den Ochsen ins Maul schauen als beim Fest dabei zu sein!
Es ist unbegreiflich.

Jesus will uns damit die Augen aufmachen für unser Verhalten Gott gegenüber: So seid ihr Menschen, sagt er uns! So unbegreiflich verhaltet ihr euch!
Gott lädt euch ein zum Fest der Gemeinschaft mit ihm: Kommt zu mir! Ihr könnt in meiner Nähe sein. Lasst euch von mir lieben und verwöhnen! Der Tisch ist für euch bereit.

Aber Jesus selbst musste die Erfahrung machen, dass die Eingeladenen nicht kommen wollen. Schön, dass du mich einlädst zu einem Leben mit Gott, Jesus, aber jetzt habe ich wirklich keine Zeit dafür. Tut mir leid!

Unmöglich! Unbegreiflich! Aber so sind wir Menschen. Bis heute.

Gott lädt uns ein, dass wir mit ihm Gemeinschaft haben, dass wir mit ihm zusammen unser Leben gestalten – und wir kommen mit Ausreden:

Nein, das mit dem Glauben ist mir zu unsicher. Es gibt ja keine Beweise, dass Gott wirklich da ist. Und selbst wenn es die geben würde – es interessiert mich nicht wirklich.

Und zum Beten, nein, da finde ich einfach nicht die Ruhe. Mein Tag ist so ausgefüllt, dass ich wirklich keine Zeit dafür habe.

Oft sind es nur Ausreden, mit denen wir auf Distanz zu Gott gehen. Fadenscheinige Entschuldigungen wie der Acker und die Ochsen.

Das ist der erste Skandal in der Geschichte.
Aber nun wird es erst richtig spannend. Wie reagiert der Gastgeber?

Er wird zornig, sagt Jesus. Kein Wunder. Wir würden auch zornig werden, wenn wir einladen und dann die Leute alle absagen.

Der Gastgeber ist zornig. Aber er reagiert in seinem Zorn ganz anders als man es erwarten würde. Er bläst die Feier nicht einfach ab, sondern er lädt ganz andere Leute ein.
Hol die Blinden und Bettler, die Behinderten, die Obdachlosen, die Heiden. Das Fest muss stattfinden. Mein Haus soll voll werden!

Das ist der zweite Skandal in der Geschichte. Jesus sagt seinen gut-bürgerlichen, anständigen, selbstgerechten Zuhörern damals: Wenn ihr Gottes Einladung nicht annehmt, dann wird Gott andere einladen! Wenn ihr, das erwählte Volk Israel, Gottes Einladung ausschlagt, dann wird Gott die Heiden rufen.

Gott hört trotz dieser großen Enttäuschung nicht auf einzuladen. Im Gegenteil: Er macht seine Einladung ganz weit. Jeder Mensch ist eingeladen mit Gott in Kontakt zu kommen. Kein Mensch ist ihm zu schlecht oder zu fern. Keiner zu jung und keiner zu alt. Für niemanden ist es zu spät.
In Gottes Haus ist für jeden Menschen ein Platz frei.

In dieser Geschichte zeigt uns Jesus, was Gott wirklich wichtig ist, was er sich wirklich wünscht.
Er wünscht sich, dass sein Haus voll wird, dass viele Menschen, alle Menschen in seine Nähe kommen und das Fest des Lebens mit ihm feiern.

Als Pfarrer hat man ja auch so seine Wünsche und Träume, zB. dass die Kirche rumsvoll ist. Aber Gottes Traum geht noch weiter. Er will nicht nur eine volle Kirche. Er wünscht sich, dass viele, viele Menschen auf der ganzen Welt ihn kennen lernen. Dass eine unzählbare Schar mit ihm in Verbindung kommt und so ein tiefes Heilwerden erlebt.

Gott will keine gottlosen Menschen, weil er kein menschenloser Gott sein will.

Jeder ist zu Gottes Fest eingeladen.

In den Taufen, die wir heute gefeiert, ist diese Einladung ausgesprochen worden. Mit der Taufe hat Jesus den beiden glücklichen Felixen sozusagen die Einladungskarte für das Fest überreicht: Herzliche Einladung zu einem Leben in Gemeinschaft mit mir! Ich will, dass du wirklich glücklich wirst in deinem Leben.

Und so ist jeder, auch jeder von uns, eingeladen.
Eingeladen zum Fest des Glaubens.

Amen.